Gespräch mit Thomas Sparr und und Julya Rabinowitsch im Rahmen der "Jüdischen Lebenswelten"
Beschreibung
„Was bleibt – was sich wandelt: Queere Perspektiven im Gespräch“ spannt einen Bogen vom Stonewall-Aufstand 1969, den Thomas Sparr als Fanal queerer Selbstbehauptung in Erinnerung ruft, bis zu Julya Rabinowichs gegenwärtiger Liebesgeschichte zweier junger Männer – eines jüdischen und eines muslimischen –, in der ein Coming-out Fragen nach Zugehörigkeit und Identität neu verhandelt.
Thomas Sparr: Come out! | Verlag C. H. Beck
Für die Homosexuellen ist das Dritte Reich noch nicht zu Ende», schrieb der deutsch-jüdische Historiker Hans-Joachim Schoeps 1963. Es endete für sie sechs Jahre später, in einer Nacht in der Christopher Street von New York. Nah an den Menschen, erzählt Thomas Sparr von einer Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist. In jener Nacht zum 28. Juni 1969 wehrten sich junge Männer und Frauen im Stonewall Inn, einer Homosexuellenbar, gewaltsam gegen eine Razzia der Polizei. Der kleine «Aufstand der Anstößigen» wurde später zum großen, weltweiten Symbol des Widerstands und der Selbstbehauptung einer entrechteten Minderheit. Im selben Jahr wurde in der Bundesrepublik der Paragraph 175 liberalisiert, während in der DDR Homosexualität bereits straffrei war. Thomas Sparr schildert den Mythos und die Wirklichkeit des Aufstands in der Christopher Street und zeigt seine Folgen bis heute. Wie wirkte er sich in Deutschland aus? Wie veränderte er die Selbstbilder homosexueller Frauen und Männer und wie die Art und Weise, in der andere sie bis heute wahrnehmen? Jahr für Jahr erinnern die Christopher Street Days in Deutschland, in Amerika, in Budapest und erst recht die verbotenen in Teheran wie in Moskau und Minsk daran: Wer sich nicht wehrt, liebt verkehrt.
Thomas Sparr ist Editor-at-Large des Suhrkamp Verlags und freier Autor. Er arbeitete an der Hebräischen Universität in Jerusalem, am dortigen Leo-Baeck-Institut und am Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Später leitete er den Jüdischen Verlag, war Cheflektor des Siedler Verlags und Mitglied der Geschäftsführung von Suhrkamp. Zuletzt veröffentlichte er u.a.: ‚Todesfuge‘. Biographie eines Gedichts (2020) und ‚Ich will fortleben, auch nach meinem Tod‘. Die Biographie des Tagebuchs der Anne Frank (2023).
Julya Rabinowich: Mo & Moritz | Hanser Verlag
Rabinowich, Julya: Mo & Moritz | Hanser Verlag
Zwei Jugendliche, die für ihre Liebe kämpfen und Vorurteile überwinden. Mo stammt aus einer Familie mit muslimischen Wurzeln. Als er eine Friseurlehre in einem Wiener Nobelsalon beginnt, taucht er ein in eine glamouröse Welt. Eines Abends wird er hinter den Kulissen des Wiener Opernballs eingesetzt und verliebt sich – ausgerechnet in Moritz, einen Jungen aus einer jüdischen Familie. Mo schwebt auf Wolke sieben – und bekommt gleichzeitig kalte Füße: Was, wenn seine Familie davon erfährt? Wird er jemals zu Moritz und seiner Liebe stehen können? Julya Rabinowich erzählt in Mo & Moritz eine Liebesgeschichte von heute, nah dran an den Träumen und Hoffnungen Jugendlicher.
Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, lebt seit 1977 in Wien, wo sie auch studierte. Sie ist Schriftstellerin und Kolumnistin und war viele Jahre als Dolmetscherin tätig. Bei Deuticke erschienen Spaltkopf (2008, u. a. ausgezeichnet mit dem Rauriser Literaturpreis 2009), Herznovelle, Die Erdfresserin (2012) und Krötenliebe (2016). Ihr erstes Jugendbuch Dazwischen: Ich (2016) wurde u. a. mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis und dem Luchs (Die Zeit | Radio Bremen) ausge-zeichnet. Es folgten Hinter Glas (2019), Dazwischen: Wir (2022) und Der Geruch von Ruß und Rosen (2023).